...und warum RIO?


Warum der Raitelsberg "RIO" heißt hat vermutlich mehrere Gründe:

Viele Bewohner der Raitelsbergsiedlung sagen von sich, sie wohnen im "Rio". Bei den Stuttgartern hat der "Rio" keinen guten Ruf. Das stammt aus früherer Zeit. Wer heute hier lebt oder arbeitet, weiß, dass es ein Stadtteil wie viele andere ist. "Rio" wird heute häufig als "Raitelsberg im Osten" (von Stuttgart) interpretiert. Seine ursprüngliche Bedeutung ist aber eine ganz andere. Ein Zeitungsartikel gibt darüber Aufschluss:

In eingeweihten Kreisen hat der Raitelsberg einen exotischen Beinamen. ,,Rio" oder auch ,,Rio Grande".

Das klingt eigentlich nicht nach Schimpf und Schande, doch wollen noch eingeweihte Kreise wissen, dass es kein gutes Etikett sei. Der Raitelsberg, behaupten frühere Bewohner der Gegend, sei ,,als Rio berüchtigt".

Was war da los? Was für ein dunkles Geheimnis lauert in der Siedlung?

Nun, KNITZ  kennt die Quelle des ,,Rio". Nachdem dieser wieder mal in einem Artikel auftauchte, meldete sich Herr Walter Haag aus Wangen mit einer erhellenden Aufklärung. ,,Weshalb der Raitelsberg zu diesem Namen kam, wird kaum jemand wissen. Deshalb möchte ich schildern, wie es dazu gekommen ist."

Die Eltern Haag zogen 1927 im Raitelsberg, Abelsbergstraße 17, ein. ,,Diese Häuser waren gerade bezugsfertig geworden." Der kleine Walter kam bald darauf in die Schule, lernte lesen und - wurde begeisterter Karl-May - Leser. ,,Ich las alle Bände. Die Reisen und Abenteuer hatten es mir besonders angetan." Und fasziniert war er von den wohlklingenden Namen: ,,Sierra Nevada - Llano Estacado - Rio de la Plata - Rio Grande do Sul".

Da lockt das Abenteuer - und dann wohnt man im Raitelsberg!

Jetzt nimmt die Geschichte ihren Lauf. ,,Ich sagte zu meinem Bruder: Es gibt so tolle Namen, nur bei uns heißt es einfach Raitelsberg. Warum haben wir nicht auch hier solche Namen?" Jetzt kommt der der ,,Rio" in Fluss. ,,Wir beschlossen, von nun an nicht mehr vom Raitelsberg zu sprechen, sondern nur noch vom 'Rio Grande do  Sul'!"

Dieser Name, schreibt Herr Haag, habe sich ,,bei den Freunden und in der Gegend eingebürgert", und jetzt, nach über 60 Jahren, habe er sogar in den ,,Stuttgarter Nachrichten" vom ,,Rio" lesen können.

Ein schönes Bubenstück, gell. Und von wegen berüchtigt. Ein Triumph der Phantasie ist das!

KNiTZ

Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 14.11.1996